Heute hat die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Pläne für den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen vorgestellt. Geplant ist eine Reform mit weniger Programmen und deutlich mehr Kontrolle durch die EU-Kommission. Davon ist auch der Europäische Sozialfonds Plus (ESF+) betroffen.

 

Der ESF+ ist mit beinahe 70 Jahren der älteste der fünf europäischen Struktur- und Investitionsfonds. Im laufenden Finanzierungszeitraum umfasst er 142,7 Mrd. Euro und ist damit das wichtigste arbeitsmarkt- und sozialpolitische Instrument der Europäischen Union. Die Zahlen sprechen für sich: So fanden zwischen 2014 und 2020 5 Millionen Menschen dank ESF-Unterstützung eine neue Arbeit oder verbesserten ihre Beschäftigungsfähigkeit. Im selben Zeitraum konnten dank ESF+ 13 Millionen von Armut betroffene Menschen jährlich mit Lebensmitteln, Kleidung oder anderen Basisbedarfen unterstützt werden.

Gaby Bischoff, stellvertretende Vorsitzende der S&D-Fraktion:

„Mit diesem Vorstoß reißt Ursula Von der Leyen dem sozialen Europa ein Standbein aus. Ihr Versprechen einen eigenständigen ESF+ zu erhalten, hat sie gebrochen. Die Zentralisierung wird von der Kommissionspräsidentin weiter brutal vorangetrieben, jetzt auch bei den EU-Fonds nach dem Motto: Geld gegen Reformen. Im Mittelpunkt stehen damit nicht mehr die Menschen, sondern Unternehmen und Regierungen.“

„Ich fordere die EU-Kommission auf, ihr Wort zu halten. Wir brauchen einen ESF+, der diesen Namen verdient – mit sozialem Anspruch, mit klaren Zielvorgaben und mit garantierter Finanzierung. Nur so können wir die soziale Säule Europas stärken und das Vertrauen der Menschen in die EU zurückgewinnen.“

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„Gerade in Berlin würden verbindliche Regelungen vielen Beschäftigten ganz konkret helfen. Allein für Berliner Lieferdienste sind tausende bei Subunternehmern angestellte Lieferbot*innen unter prekären Arbeitsbedingungen unterwegs. Ob Schwarzarbeit, Lohnbetrug, oder 12-Stunden-Schichten – es wird Zeit, dass wir diesem System ein Ende setzen.“

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„In Berlin war 2022 jede vierte minderjährige Person armutsgefährdet oder lebte in einer Bedarfsgemeinschaft – ein Wert, der dem europäischen Durchschnitt entspricht. Das zeigt, wie dringend wir eine gemeinsame europäische Antwort brauchen. Dazu gehören gezielte soziale Investitionen, insbesondere zur Bekämpfung von Kinderarmut, einschließlich eines zweckgebundenen Budgets von mindestens 20 Mrd. EUR für die Europäische Kindergarantie.“